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Liquid Perceptron (2000)

Hans H. Diebner
Sven Sahle

Werkbeschreibung


Das simulierte und über eine Video-Projektion visualisierte neuronale Netzwerk ist durch Bewegungen der BetrachterInnen anregbar. Vergleichbar dem Auge erkennt eine Kamera die Bewegung von Objekten im Raum und leitet das Videosignal an das neuronale Netzwerk weiter, welches aus etwa einer halben Million zu einem 2D-Feld oder einem 3D-Block arrangierten und miteinander gekoppelten, anregbaren Neuronen besteht.

Die Aktivität der Neuronen ist farblich kodiert. Die hellen Bereiche sind besonders stark aktiv. Man erkennt, dass eine lokale Anregung im Netzwerk zur Ausbildung eines zusammenhängenden Musters führt, wie es auch in der Gehirnaktivität beobachtet wird. Die Aktivitätsfronten breiten sich über das Netzwerk aus. Die zur "Wahrnehmung" korrespondierende Information ist, bedingt durch die Kopplung der neuronalen Elemente, im globalen Aktivitätsmuster und nicht im einzelnen Neuron repräsentiert.

Liquid Perceptron ist freilich ein vereinfachtes Modell eines neuronalen Netzwerkes. Die einzelnen Neuronen genügen jeweils einer gängigen Differentialgleichung zur Modellierung neuronaler Aktivität, allerdings die Topologie ist stark vereinfacht. Abgesehen davon, dass es im Vergleich zum menschlichen Gehirn fast verschwindend wenige Neuronen sind, die hier gekoppelt sind, entspricht auch die homogene und rein nachbarschaftliche Kopplung bei Weitem nicht der komplexen Verknüpfung realer Neuronen im Gehirn.

Eine wesentliche Idee der performativen Wissenschaft ist der Einbezug des Systems, das modelliert wird, in das Modell. Mit anderen Worten, die Wechselwirkung des Beobachters mit der Installation gibt mindestens soviel Aufschluss über die Funktionsweise des Gehirns, wie die Simulation selbst. Selbstverständlich trägt der Kontext, in den die Arbeit eingebettet ist, das Seine zur Wirkung bei. Vor allem durch den zweimaligen Einbezug der Installation in die Inszenierung der Oper "Einstein on the beach" ist die relationale Ästhetik voll zur Geltung gekommen. Liquid Perceptron war jeweils Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts, das einen künstlerischen Diskurs zu aktuellen Wissenschaftsthemen umzusetzen vermochte. Im Hinblick auf Liquid Perceptron konnte ich vor allem die Beobachtung, dass die Rezipienten durch ihre Bewegung die Dynamik der Musterbildung mit der des musikalischen Rhythmus zu synchronisieren versuchten, mit meiner Vorstellung zur Theorie der Selbstorganisation in Einklang bringen.

Stichwörter

Gehirndynamik, Künstliche Intelligenz, Musterbildung, Synergetik, Selbstorganisation

Einblicke in Liquid Perceptron

 


Hans Diebner: Liquid Perceptron. Installationsansicht (2000)


 

Dokumentation von Liquid Perceptron

Sehen Sie → hier eine Videodokumentation. (c) Hans Diebner 2004


 


Hans Diebner: Liquid Perceptron. Bühnenbild in der Oper ’’Einstein on the Beach” von Philip Glass und Robert Wilson.
5. August 2005 in Berlin.
Inszenierung: Berthold Schneider
Kurator: Ralf Hartmann. weitere Informationen


 


Hans Diebner: Liquid Perceptron. Installationsansicht (2002)


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